Offroad Reise in die Westalpen:

 

Anfang September 2008 ging es mit dem eigenen Touareg V6TDI auf eine 5-tägige Tour durch die Westalpen. 

 

Man kann es echt nicht glauben was für tolle Offroad-Touren in (Zentral-)Europa existieren. 

 

Das Auto war eigentlich ziemlich serienmäßig ausgestattet, bis auf Pirelli Scorpion ATR Reifen. (inkl. 2 Ersatzreifen im Kofferraum) und dem Dachzelt von AutoCamp. Ansonsten war halt alles dabei was man zum Campen braucht: Gaskocher, 220V-Konverter, 20l-Frischwassertank, Klappspaten (für was den wohl ;), elektrische Kühlbox, Camping-Tisch und Stühle.

Als Vorbereitungsmaterial habe ich folgendes benutzt:

 

  • OFF ROAD Special: Offroad-Traum Westalpen - Piemont-Ligurien-Savoyen, 01/2005

  • Denzel: Großer Alpen Straßenführer, 22. Ausgabe, 2005

  • http://alpenrouten.de: eine tolle Seite mit aktuellen Standberichten der einzelnen Alpentouren und vieler hilfreicher Tipps.

  • VW-Navigationssystem RNS 510

  • Reisetipps von Boris Buschardt

 

Beifahrerin war meine Schwägerin Elke.

Hier nun den Tourbericht:

 

1. Tag: Anreise, Touren: Colle Sommelier, Mont Jafferau (1. Teil) 
 

Nachdem wir früh morgens im Schwarzwald losgefahren sind, haben wir schnell versucht den "langweiligen Teil" über den St. Gotthard, Mailand, Turin nach Bardonecchia hinter uns zu bekommen. Nachdem es schnell voran ging, stand den ersten beiden Touren nichts im Weg.

 

Als erstes geht es auf den höchsten offiziell befahrbaren Punkt der Alpen: Colle Sommeilier (etwas mehr als 3'000 m über dem Meer).Die Strecke ist recht einfach, mit feinem Schotter und geringer bis mittlerer Steigung. Nach rund 14 km erreichen wir das Rifugio Scarfiotti.Im Sommer ist eine Befahrung von Freitag bis Sonntag ab dem Rifugio Scarfiotti nur in der Zeit von 17:00 bis 9:00 möglich. Aber wir sind ja unter der Woche unterwegs, daher kein Problem und rauf geht es. Überraschenderweise ist die komplette Strecke bis zum Gipfel im VW-Navi (RNS 510) abgebildet. Wir sind ziemlich alleine unterwegs, genießen die Ruhe und nehmen uns etwas Zeit um am Gipfel zu Fuß um den See zu stapfen und es geht auch ein bisschen in den Schnee.

 

Am Abend fangen wir noch die zweite Tour auf den Mont Jafferau an. Diese Tour ist ein absolutes Highlight - tolle Strecke, welche gut zu fahren ist und auch ein paar Highlights bietet - wie den ca. 900m langen Tunnel - und dabei eine tolle Aussicht.Mit Ausnahme des sehr engen und dunklen Tunnels (minimal breiter als der Touareg, mit einigen engen Kurven, unbeleuchtet und mit nur einer einzige allerdings viel zu schmale Ausweichstelle) sowie einiger grobschotterigen Abschnitte ist auch diese Strecke recht einfach zu fahren, wenn auch deutlich anspruchsvoller als der Colle Sommelier, aber mit dem Touareg noch gut machbar.Nach dem Tunnel kommt dann auf der linken Seite ein kleines Fort. Dort schlagen wir unser erstes Nachtlager auf und genießen ein paar Spagetti mit Pesto und ein bis zwei schönes "Sundowner" Bier!

 

GPX-Tracks: Colle Sommelier und Mont Jafferau

2. Tag: Touren: Mont Jafferau (2. Teil), Mont Cenis, Fort de la Turra (1. Teil)

 

Nach einem gediegenen Frühstück mit Blick auf das Wolkenmeer im Tal, machen wir uns auf, den Rest der Tour Mont Jafferau unter die Räder zu nehmen. Ca. 50 m unterhalb des Gipfelforts endet die Strecke. Die letzten Meter zum Gipfel erkunden wir dann zu Fuß und eine tolle Aussicht belohnt uns.

 

 

Auf dem Rückweg sind wir nicht durch den Tunnel zurückgefahren, sondern haben die im OR Special beschriebene Alternativroute nach Savoulx gewählt. Diese wird zwar im Offroad-Magazin als "Sehr steil und grob. Den Abstieg über Savoulx sollten nur geübte Geländefahrer mit entsprechend modifizierten 4x4 wählen" beschrieben, erweist sich aber als recht gut befahrbar wenn auch etwas ausgewaschener und steiler. Talwärts sind wir in eine ziemliches Wolken/ Nebelbank gekommen, so dass die (Aus-)Sicht etwas eingeschränkt war.

==> Auf jeden Fall eine wirklich sehr schöne Tour, die wirklich richtig Spaß gemacht hat.

 

 

Anschließend beschließen wir Richtung Mont Cenis zu fahren. Hier machen wir allerdings einen nicht unerheblichen Fehler: Wir fahren durch den "Tunnel du Fréjus" (man sollte nicht blind dem Navi vertrauen). Dies erweist sich als recht kostspielige Abkürzung: fast 35 € - wir dachten dafür gibt es vielleicht wenigstens ein tolles Mittagessen aber nichts :) 

 

 

Am Mont Cenis angekommen, ist uns der Wettergott wieder hold und der Nebel verzieht sich. Wir starten mit der sehr einfachen Seeumrundung. Macht trotzdem Laune, insb. als wir eine kleine doch etwas schwierigere Abfahrt runter an den See zu einer kleinen Bucht entdecken. Der perfekte Platz für ein genüssliches Mittagessen. Nach dem wir wieder gestärkt sind geht es zum Fort Variselle. Die Auffahrt ist inzwischen für Fahrzeuge gesperrt, aber der Fußweg von ca. 20 Minuten lohnt sich auf jeden Fall. Die riesige um 1880 erbaute Festungsanlage ist sehr beeindruckend und obendrein gibt es einen tollen Blick auf den See.

 

So nun geht es auf die letzte Etappe von heute, und damit auch auf die fahrerisch anspruchsvollste dieser Reise: Der Weg rauf zum Fort de la Turra.

 

Aus meiner Sicht ein absolutes Highlight. Der Weg ist sehr schmal, teilweise recht ausgewaschen und ca. bei 2/3 der Strecke kommt ein kerniges Trümmerfeld, welches entweder geschickt umfahren oder langsam erklettert werden will. Nun geht es die letzten km rauf zum Fort, welches eine imposante Lage kennzeichnet. Eine nahezu uneinnehmbare Festung bewacht von imposanten 3.000ern. Nachdem wir die Festung erkundet haben, schlagen wir ein paar hundert Meter tiefer unser Nachtlager auf. Plötzlich sitzen wir dann ziemlich im Nebel und die Nacht wird wirklich nass (heftiger Regen) und kalt (knapp über 0°C - kurz über uns ist die Schneefallgrenze gewesen). 

 

 

GPX-Tracks: Mont Jafferau, Mont Cenis und Fort de la Turra

 

3. Tag: Touren: Fort de la Turra (2. Teil) Assietta Kammstraße, Punta Cialancia und Ligurische Grenzkammstraße (ersten 15 km) 

 

Nach dem es so ziemlich die ganze Nacht geregt hat, heißt es nun schnell zusammenpacken, frühstücken und zum schöneren Wetter fahren.

Berg runter war es dank ziemlich aufgeweichtem Boden dann doch etwas rutschig, aber dank der richtigen Reifen lief alles glatt.

 

 

Wir haben uns für heute die Kammstraßen ausgesucht. Als erstes ging es nach Susa, von wo wir über den Colle de Finestre die Assietta Kammstraße unter die Räder nehmen. Inzwischen hat sich das Wetter auch wieder auf unsere Seite geschlagen, so dass wir das Zelt trocknen und die 8 Pässe über 2'000 m (Colle de Finestre, Colle Assietta, Testa Assietta, Colle de Lanson, Colle Blegier, Colle Genevris, Colle Bourget, Colle Basset) richtig genießen können. Die Strecke ist ca. 55 km lang und absolut problemlos zu fahren. Für Offroad-Einsteiger also sehr zu empfehlen.

 

 

Nach einigen kleine Ausflügen per pedes und einer ausführlichen Mittagspause, verlassen wir die Assietta über Sestrire. Wir wollen zur Punta Cialancia und dort entspannt unser Nachtlager aufschlagen. Leider haben wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht: Die Punta Cialancia ist leider nach dem "Lago Lausun" (nach ca. 14km) gesperrt. D.h. ein wenig rumwandern und dann wieder runter. 

 

 

Nachdem unser geplantes Nachtlager ja nicht möglich war, treffen wir die kurzfristige Entscheidung schon bis zur Ligurische Grenzkammstraße zu fahren und dort die ersten km unter die Räder zu nehmen bevor wir uns die Nachtruhe gönnen. D.h. ab nach Limone Piemonte und rauf den Colle di Tenda. Wir fahren Richtung Colle de la Perle und Fort Pepin weiter und schlagen nach ca. 15 km unser Nachtlager in einem wunderschönen Bergkessel auf. Ein toller Platz und mit einem Feuerchen, Spagetti mit Pesto und ein paar Bierchen fühlen wir uns wie Gott in Frankreich bzw. Italien. 

 

 

GPX-Tracks: Fort de la Turra, Assietta Kammstraße, Punta Cialancia und Ligurische GKS (Nord-Teil)

4. Tag: Touren Ligurische Grenzkammstraße (restlichen 65 km) und Fahrt nach San Remo 



Nach dem wir über Nacht fast weggeweht worden sind (es gab einen ziemlichen Sturm in der Nacht), packen wir am nächsten Morgen unsere Sachen (freuen uns das das Zelt eine gute Stabilität und Qualität hat) in Vorfreude auf die restlichen km der Ligurischen GKS. 
Wir treffen nach dem Frühstück auch drei Mountainbiker, die um 9:00 schon die ganze Strecke von Limone hinter sich gebracht haben (Hut ab!!!).

Im Gegensatz zu der Einschätzung im Offroad-Führer, finde ich den ersten Abschnitt dieser Kammstraße (ca. km 5 bis km 20 ab dem Colle de Tende) am schwersten. Die Piste ist extrem eng. Auf der einen Seite sind entweder senkrechte Felswände oder aber sehr große Steinblöcke und auf der anderen Seite befindet sich entweder ein fast senkrecht abfallender Abgrund ohne jegliche Begrenzung oder es gibt halbmeterhohe Grenzsteine. Die Durchfahrten sind zumeist nur minimal breiter als der Touareg und auch der Boden ist extrem ausgesetzt bzw. ausgewaschen.
Das Begeisternde an dieser Tour ist die unglaubliche Abwechslung an Vegetation, Gesteinsformationen, etc. Man fährt von einem Tal in ein anderes und plötzlich geht es von schroff und steinig in ein grünes hügeliges Waldgebiet über. Atemberaubend ist natürlich die Sicht auf die umgebenden Berge.
Zwischendrin machen wir an der Jesus-Statue am Monte Sacarello Pause und genießen ein wenig die Sonne. 

Danach geht es in den zweiten Teil der Ligurischen GKS. Im Offroad-Führer steht, dass sich der zweite Teil der Ligurischen GKS "in sehr desolatem Zustand befindet, ein hohes Maß an Fahrkönnen voraussetzt und dem Geländewagen viel abverlangt". Kann ich ehrlich gesagt nicht nachvollziehen, da ich den ersten Abschnitt insgesamt deutlich anspruchsvoller finde. Man kann den zweiten Teil teilweise richtig mit Speed fahren und schön die Kurven langdriften.

Am Ende der knapp über 80 km langen LKGS freuen wir uns auf das Meer und düsen nach San Remo. Wir suchen uns einen netten Camping-Platz und genießen den Luxus von warmen Duschen, Toiletten und einer Pizzeria (nach den ganzen Spagetti eine willkommene Abwechslung). 

GPX-Tracks: Ligurische GKS (Nord-Teil) und Ligurische GKS (Süd-Teil)

5. Tag: Heimreise 

 

Nach einer sehr erholsamen Nacht geht es am nächsten Tag leider wieder auf die Heimreise. Meine Schwägerin muss an den Flughafen Zürich und ich muss noch ins Rheintal.

 

 
 
Zusammenfassend: Eine super Reise, mit einer super Beifahrerin, tollen Strecken, viel Offroaden, tollen Landschaften!!!!!
Es schreit nach der nächsten Reise...Island?, Kroatien?, Pyrenäen?, ...

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